Down by law

oder: Sicherheit, Gewalt und das Justizzentrum am Leonrodplatz
Jeden Tag hören wir in den Nachrichten und Zeitungen von all der Gewalt die sich auf der Welt abspielt, von blutrünstigen Serienkillern, Vergewaltigern, von bewaffneten Raubüberfällen und Geiselnahmen und grundlos prügelnden Jugendlichen, Amokläufer_innen und islamistischen Terroristen. All diese Schlagzeilen und detaillierten Beschreibungen bringen uns diese Gewalttätigkeiten so nahe, dass wir sie als Warnung vor Gefahren wahrnehmen, die auch in unserer Nachbarschaft lauern, vielleicht sogar im Nachbarhaus, im Park um die Ecke, der U-Bahn oder auf dem Weg dorthin. Da wir ja nicht wissen ob und was für gewalttätige Fantasien in den Köpfen unserer Nachbar_innen oder Mitarbeiter_innen herumgeistern und wir die Gewalttäter_innen in unserem direkten Umfeld nicht erkennen und verorten können, verbreitet sich zunehmend eine Atmosphäre der Verdächtigung und Panik, die andauernd durch neue und weitere Nachrichten und Warnungen genährt wird. Die einzige Erklärung die uns für all die versteckten aber überall präsenten Gewalttaten bleibt, ist unsere fehlende Sicherheit.
So kann sich der Staat als großer Beschützer aufspielen, da er alles in seiner Möglichkeit stehende tut, um uns mehr Sicherheit zu verschaffen und für eine möglichst harte Bestrafung der Gewalttäter_innen zu sorgen. Um unsere persönliche Sicherheit besser vor äußerer Gewalt zu schützen tun Staat und „Volksvertreter_innen“ ihr bestes um Gewalt von vornherein durch Gesetze und Maßnahmen zu verhindern. Diese vorbeugenden Maßnahmen sind jedoch keine Bestrafung, die im Nachhinein „Kriminelle“ treffen, sondern eine sich ausweitende Überwachung, die alle „Verdächtigen“ trifft. Und „verdächtig“ sind wir alle, denn wir sind alle potentielle Kriminelle. Wir können kriminell werden, es gewesen sein und kriminelle Dinge planen. Um das herauszufinden versucht der Staat alles über uns zu erfahren, denn nur so ist es möglich alle „Verbrechen“ zu verfolgen, zu bestrafen und vorzubeugen. Fingerabdrücke werden von allen verlangt, Polizist_innen durchsuchen alle, Kameras filmen alle, die persönlichen Daten werden von uns allen gespeichert.
Unser Leben gleicht immer mehr dem von Protagonist_innen in Reality Shows, deren Gedanken, Schritte und Worte komplett gespeichert und überwacht werden. Die gerichtliche Vermutung der Unschuld hat sich zur Vermutung der Schuld gewandelt. Wenn die Gedanken, Wünsche und Ideen jedes Individuums eine potentielle Gefahr darstellen, wird jedem Individuum der Krieg angesagt, da von allen erwartet wird, sich lebenslänglich in einem vorbestimmten Rahmen zu bewegen und diesen nicht zu hinterfragen. Die einzige Möglichkeit nicht in das Visier des staatlichen Gerichtshofes zu geraten und bestraft zu werden ist die totale Akzeptanz von Gesetzen. Kurzum: Totaler Gehorsam.

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